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Talente im Rampenlicht

Akademiekonzert der Studierenden

Der vierte Konzertabend der Cello Akademie Rutesheim gehörte den Studierenden der Meisterkurse. Neun junge Cellistinnen und Cellisten zwischen 11 und 25 Jahren stellten sich in der Halle Bühl II gemeinsam mit den Pianistinnen und Pianisten der Akademie vor. Auf dem Programm standen Werke von Bach bis zu Thomas Demengas „EFEU“ aus dem Jahr 2010.

Bericht: Mathieu Kuttler, Musikwissenschaftler (M.A.)
Fotos: Stephan Haase

Bericht vom 30.10.2026

Im November 1824 entstand Schuberts Sonate für Arpeggione, einer Streichgitarre mit sechs Saiten und Bünden. Das Instrument verschwand bald wieder, die Sonate blieb und wird seither auf vielen Instrumenten gespielt.

Der Pianist Stanislav Gallin gab mit seiner Einleitung den Rahmen vor, den die belgisch-bulgarische Solistin Nauma Najman aufgriff. Dynamisch kontrastreich und mit liedhaftem Ton spielte sie auch die hohen Lagen ohne Anstrengung. 

Lyana Ulikhanyan aus Armenien spielte anschließend Prélude, Sarabande und Gigue aus Bachs Suite Nr. 3 für Violoncello solo C-Dur, BWV 1009, die vermutlich aus Bachs Köthener Jahren zwischen 1717 und 1723 stammt.

Mit klarem Puls, makelloser Intonation und überzeugenden Gedanken in den schnellen Läufen, den akkordischen Passagen, wie auch in den melodischen Phrasen zeigte sie voller Spielfreude, dass sie ihren eigenen Weg zu Bach schon gefunden hat. Sie spielte das Cello von Oliver Radke, das ihr die Akademie 2022 vermittelte. 

Für den Cellisten Viktor Kubazki entstand 1934 Schostakowitschs einzige Cellosonate. Bei der Uraufführung in Leningrad saß der Komponist selbst am Klavier.

Im Wechselspiel mit Yukino Kaihara gestaltete Owen Sørbye Davis aus Norwegen die melodiösen Abschnitte romantisch-lyrisch. Auch die Übergänge zu den ergreifend gespielten leisen Passagen waren gelungen. So wurde die Ambivalenz des Satzes deutlich hörbar. 

Gabriel Fauré wollte sein Stück von 1884 schlicht „Stück für Violoncello“ nennen, den Titel „Papillon“, Schmetterling, setzte der Verleger durch. Es ist eines der Stücke, in denen sich rasante Läufe über mehrere Oktaven virtuos mit melodischen Abschnitten abwechseln - all dies gelang der 14-jährigen Aleksandra Maria Tralla aus Estland gemeinsam mit Yukie Takai mühelos.

Bis heute erklingen Tschaikowskys Rokoko-Variationen meist in der Fassung des Widmungsträgers Wilhelm Fitzenhagen, der die Reihenfolge umstellte und eine Variation strich. Variation VI ist die einzige in Moll, ein langsamer Gesang, der in hohen Flageoletttönen ausklingt. Danach folgt das rasante Finale.

Flora Valila aus Finnland vereinte natürliche Bühnenpräsenz, souveräne Spieltechnik und stilistische Sicherheit. Am Klavier war Julien Le Pape ein aufmerksamer Partner. 

Dmitri Schostakowitschs erstes Cellokonzert entstand 1959 für Mstislaw Rostropowitsch. Der verhaltene zweite Satz steigert sich zu einem großen Ausbruch und endet in leisen Flageoletttönen, im Original begleitet von der Celesta.

Henrike Körner aus Deutschland ließ von Beginn an die Melodie fließen und gab dem Höhepunkt Gewicht, ohne ins Laute zu kippen. Bei den Flageoletten glaubte man im Zusammenklang mit Yukie Takais Klavierspiel das Orchester zu hören.

Das Stück „EFEU“ für Cello solo entstand für den Emanuel-Feuermann-Wettbewerb 2010, sein Komponist Thomas Demenga ist selbst Cellist und unterrichtet seit 1980 in Basel.

Wie der Solist Dylan Kinneavy aus den USA in seinen Eingangsworten erläuterte, enthält es Klangeffekte, die mal mechanisch, mal lebendig klingen. Auch das Flüstern der Gräber und Glockentöne kommen vor. Mit exzellenter Technik und tiefem Verständnis für diese außergewöhnlichen Klangereignisse schuf er ein musikalisches Panorama.

Martinůs Rossini-Variationen sind Gregor Piatigorsky gewidmet, den der Komponist als Lehrer in Tanglewood kennengelernt hatte. Sie entstanden im Oktober 1942 in New York. Auf das Thema folgen vier Variationen, heiter im Ton und berüchtigt schwer.

Die elfjährige Ruusu-Talvikki Heikkilä aus Finnland ließ das Stück geradezu aus sich selbst herausströmen, schon im frühen Alter technisch tadellos und mit einer reifen Musikalität, sowohl in der Melodiegestaltung als auch im Wechselspiel mit dem Pianisten Nicolai Gerassimez. Noch spielt sie ein kleines Cello, dessen reduzierte klangliche Möglichkeiten derzeit ihre einzige Grenze zu sein scheinen.

Der Abend endete mit dem Finale der Cellosonate von Sergej Rachmaninow von 1901, seinem letzten Kammermusikwerk.

Voller Temperament warf sich der Italiener Giacomo Furlanetto in die Klangwellen der Pianistin Mana Oguchi. Im steten Wechsel der Stimmungen durchmaßen die beiden den Satz gemeinsam – ganz im Sinne Rachmaninows, der beide Stimmen als gleichberechtigt sah.

Schon nach den einzelnen Auftritten spendete das Publikum großzügig Beifall. Zum Schluss ging er in einen Jubel über, der den neun jungen Talenten ebenso galt wie ihren Partnerinnen und Partnern am Klavier – eine magische Cellonacht.

Am Freitag, 30. Oktober, heißt es in der Halle Bühl 2 „Cello-Power XXL“: In zwei Vorstellungen um 18 und 20.30 Uhr spielen die Studierenden als Akademie-Ensemble und das Cello-Orchester Baden-Württemberg mit rund 120 Celli Pop und mehr.

 

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